Rachels Hochzeit
DIE STORY
Nach jahrelangen Entziehungskuren kehrt Kym zu ihrer Familie zurück, pünktlich zur Hochzeit ihrer Schwester Rachel. Der Film zeigt wie sie selbst und ihre Familie während der Vorbereitungen
Alle sind in Feierstimmung, aber auch angespannt. Kym ist sehr empfindlich, wenn alle sich zu sehr um sie sorgen, sie bevormunden, andere haben dagegen noch ein paar Rechnungen aus der Zeit ihrer Drogenkarriere mit ihr offen – insbesondere Rachel. Perfide ist dabei der massive Alkoholkonsum der Gäste und die launigen Kiffergeschichten, die bei den Parties zum Besten gegeben werden, während man Kyms persönliche Drogengeschichte als ihren ganz eigenen Makel sieht. Dabei stellt man sich ständig die Frage, ob Kym das Gefühlskarrussel des Wochenendes ohne Drogen übersteht – oder ob die Erfahrungen sie nicht erst recht von ihrer Familie wegtreiben.
DIE STARS
Am bekannesten ist Regisseur Jonathan Demme immer noch für “Das Schweigen der Lämmer”. Dabei hat er auch das oscarprämierte Aids-Drama “Philadelphia” inszeniert. Er ist als kein Neuling im Drama-Genre.
Anders ist das bei Anne Hathaway. Die bevorzugte bislang leichtere Kost. Das muss allerdings, wie bei ihrem Durchbruch in “Der Teufel trägt Prada” nichts Schlechtes sein.
DER KICK
Die labile, oft überdrehte Kym ist launisch, aggressiv und verletzend. Außerdem raucht sie ständig, aber man sieht einfach, dass Anne Hathaway keine Raucherin ist. Düsteres Make-Up und leichte Gothic-Klamotten machen eben doch noch keine Rebellin. Dahinter sieht man noch immer die kleine Prinzessin.
Dass sie für ihre Performance mit einer Oscarnominierung ausgezeichnet wurde, ist ein Witz. Die Academy hat eben ein Faible für zerrissene Charaktere. Etwas besonderes ist “Rachels Hochzeit” aber nicht. Die Inszenierung wirkt absichtlich wie ein Heimvideo. Wackelkamera und gezielte Unschärfen sollen den Eindruck verstärken. Im Finale tobt der altgediente Videoregisseur Demme dann noch seine Leidenschaft aus, durch ein gutes Dutzend verschiedenster Performances auf der Hochzeit. Die Musik während des films nervt dagegen. Sie während der Dreharbeiten live einzuspielen ist ein interessantes Konzept, funktioniert aber. Meist hört man nur eine herumfidelnde Geige eines anonymen Hochzeitsgastes und möchte ständig rufen “Mach mal Pause” (Was Kym dann tatsächlich tut). Zahlreiche musikalische Gäste gehören der New Yorker Indieszene an. Dazu darf noch Demmes Sohn zweimal eine kaputte Hendrix-Version des Hochzeitsmarsches darbieten. Dazu wirken sämtliche Charaktere zwar durch ihr laienhafte Improvisation zwar authentisch, aber oft auch unsympathisch und schlicht banal.
Die ganze Filmlänge über durchzuhalten beim Seelenstriptease einer traumatisierten Familie bleibt da eine Geduldsprobe. Immerhin gibt Demme zu , dass sein Idependent-Projekt nach zahlreichen Studioproduktionen ein Experiment ist.
Das hilft dem Zuschauer nicht.