Harry Potter und der Halbblut-Prinz
Eigentlich sollte dies ja der vorletzte Potter-Film sein. Nun ist es nur der vorvorletzte, denn das finale Buch "Die Heiligtümer des Todes" wird zu zwei Filmen verarbeitet (Kinostart Herbst 2010 und Frühjahr 2011). Trotzdem geht der Zauberlehrling in seinem sechsten Abenteuer unweigerlich auf die Zielgerade.
Auch wenn die finsteren Todesser im Finale von "Der Orden des Phönix " nochmal zurückgeschlagen wurden, sind sie nun weiter auf dem Vormarsch. Gleich zu Beginn legen sie eine Brücke im Herzen Londons in Schutt und Asche. Der Krieg der Zauberer hinterlässt nun auch in der "realen" Welt zunehmend Spuren. Die düstere Ausgangslage wird im Film durch entsprechend düstere Farben unterstützt. Fast hat man den Eindruck, man sieht einen unterbelichteteten Schwarz-Weiß-Film. Später wird der Film dann zum Glück etwas bunter , wofür nicht nur die Farbgebung sorgt, sondern auch die Besetzung.
Zuallererst muss dabei der neue Lehrer genannt werden, Horace Slughorn, eine herrlich schrulliger Professor. Dabei schafft es Jim Broadbent aber herrvorragend, seine Figur trotz einiger amüsanter Klischees viel realer zu zeichnen als das im letzten Film Imelda Staunton als Inquistorin Dolores Umbridge erlaubt war.
Handlungstechnisch passiert dann allerdings erstmal nicht viel. Im Vordergrund stehen Liebe und Triebe am Zaubererinternat Hogwarts. Diese Entwicklung nahm zwar schon im dritten Film ihren Anfang, hier bestimmt sie aber den Film. Das macht dann auch durchaus Spaß, denn die Stammschauspieler sind mit ihren Rollen schon längst komplett verwachsen. So sitzen die Gags und jede kleine Geste passt einfach.
Das Finale kommt dafür dann etwas überraschend, fasst hatte man bis dahin vergessen, dass es ja noch um etwas anderes geht und draußen in der Welt ein Bürger- oder besser Zaubererkrieg tobt.
Wenn sich Dumbledore und Harry aufmachen, um eins von Voldemorts Geheimnissen zu entschlüsseln ist man daher nicht so ganz bei der Sache. Und im Vergleich zum letzten Film und auch dem Buch gegenüber fällt das Ende des Film eher mager, unterkühlt und schlampig inszeniert aus. Und wenn einem die Autorin schon die Vorlage für einen packenden Kampf liefert, sollte ein wirklich engagierter Filmemacher den Ball auch aufnehmen.
Weder der Tod einer der Hauptfiguren noch Harrys Reaktion darauf berühren wirklich. Aber das hatte der Regisseur David Yates ja schon im letzten Film beim Tod von Harrys geliebtem Onkel Sirius Black vermasselt. Selbst die Enthüllung des mysteriösen Halbblut-Prinzen passiert quasi nebenbei - aber seine Existenz spielt auch im gesamten Film fast keine Rolle. Harry bringt Malfoy fast um - Na und ? Weiter gehts.
Die Probleme des Films lassen sich auf ein Wort reduzieren: Regie. David Yates hat die einzelnen Szenen oft völlig lieblos zusammengepappt. Die Erzählung fließt einfach nicht. Selbst das lange vorbereitete Zusammenkommen mit Ginny ist nur ein Augenblick - ohne Nachhall. Als gutes Gegenbeispiel muss hier wieder einmal Potter 3 "Der Gefangene von Askaban" herhalten, der von Alfonso Cuaron einfach virtuos inszeniert wurde. Dafür sind Tricks , Darsteller und Ausstattung mal wieder auch gewohnt hohem Niveau, in einigen Passagen sogar noch besser als früher, wie in der tatsächlich rasanten Quidditch-Sequenz.
"Harry Potter und der Halbblut-Prinz" ist eine solide aber keine überragende Fortsetzung der Serie.Die Zutaten sind alle vorhanden, wurden aber etwas zu planlos zusammengewürfelt.
Der Halbblutprinz, das ist offenbar der Regisseur selbst. Zum Vollblut reicht es leider nicht.