Die Entführung der U-Bahn Pelham 1-2-3
35 Jahre ist es her, das “Die Todesfahrt der U-Bahn 123” erstmals in die Kinos kam.
Da scheint es einem durchaus gerechtfertigt, mal ein Update vorzunehmen. Denn die Welt hat sich seitdem gewaltig geändert.
Aber was hat sich in der Neuauflage wirklich geändert ?
Das Original besitzt eine nette 70er-Jahre Patina, a la French Connection. Dazu sorgt ein soulig-jazziger Uptempo-Soundtrack für Drive und lässt die wilden 70er auch akustisch lebendig werden.
Es wird deftig geflucht – von allen. Da sind die U-Bahn-Mitarbeiter ganz vorne dabei.
Dazu gibt es jede Menge interessante Nebenfiguren. Selbst die Schaffner, Polizisten und Geldboten haben ihre kleinen Momente, die den Film abwechlungsreich und lebendig halten.
Der Konflikt von U-Bahn-Polizist Garber mit seinen Leuten ist dabei fast ebenso spannend wie der mit den Gangstern. Deren Beziehung untereinander ist komplex, das Duell von Garber mit den Gangstern dagegen rein professionell. Eine Hauptrolle hat außerdem New York, einerseits als Schmelztiegel, andererseits als Schauplatz politischer Machtkämpfe.
Das Remake:
Tony Scott drückt dem Film seinen unerkennbaren Stil auf, denn man aus "Mann unter Feuer" oder Deja Vu kennt: Satte Farben, schnelle Schnitte und eine ständig bewegliche Kamera. Der Soundtrack ist eher austauschbarer , funktionaler Industrial-Background-Noise. Sichtbarstes Zeichen der Modernisierung ist allerdings die Rolle von Handys und Computern, die Allgegegenwart von Kameras im Film.
Und New York ist als Schauplatz auch hier attraktiv, dient aber wirklich nur als Hintergrund. Das Duell vom U-Bahn-Mitarbeiter Garber mit den Gangstern nimmt den zentralen Platz ein, erweitert um den Aspekt Korruption. Garber steht nämlich unter dem Verdacht der Bestechlichkeit und wird damit manipuliert.
Der Obergangster ist zudem ein Ex-Börsenmakler, so spielt auch die Finanzkrise mit, allerdings wird dieser Aspekt nicht wirklich ausgeschöpft.
Eine aufwändige Autohetzjagd durch die Stadt wirkt wie nachträglich hinzugefügt. Sie wirkt künstlich in die Länge gezogen und wirkt aufgesetzt, keine der zentralen Filmfiguren nimmt daran teil. Eine Sondereinheit der Polizei rast unter Zeitdruck mit einem gepanzerten Mustang als Geldtransporter durch die Stadt. Wäre ein Hubschrauber nicht praktischer gewesen ?
Die Schrott-Einlage mitten in Manhattan war sicher teuer, die 100 Millionen Dollar Produktionskosten gingen aber offenbar vor allem für die Megagagen von Denzel Washington und John Travolta drauf. Auf der Leinwand sieht man das Geld kaum, denn die Hauptschauplätze sind die U-Bahn-Leitzentrale und ein U-Bahn-Waggon. da kommt fast Kammerspielfeeling auf, die Nebenrollen entwickeln anders als im Original kaum Profil.
Ein armer Ex-Soldat an Bord der U-Bahn kann heutzutage natürlich kein Feigling sein wie in den Armee-kritischen 70ern, sondern darf den Heldentod sterben.
Im Original mischt Walter Matthau sich selbst im Finale ein, im Remake wird Denzel Washington von Travolta hineingezogen. Etwas gezwungen, aber durchaus logischer.
Der Bodycount im Remake ist deutlich höher. Das damalige Elektroschock-Ende war dafür um einiges drastischer.
Allerdings wurde die Reihenfolge des Showdowns etwas geändert.
Das Remake ist stromlinienförmiger – alle Fäden laufen in einem Punkt zusammen und führen zum überfälligen Aufeinandertreffen der Hauptgegner. Das wirkt aber hier nur wie eine lustlose Pflichtübung.
Insgesamt verlieh Matthau mit seiner lakonisch-sarkastischen Art dem Film mehr Humor und Charme als der doch sehr staatstragend nüchterne Denzel Washington. Und während damals Robert Shaw den Obergangster als distinguierten britischen Ex-Soldaten spielte – hart aber kontrolliert - greift Travolta in die Vollen und spielt einen schwitzenden, augenrollenden Vollblutpsychopathen.
Die Entführung der U-Bahn 1-2-3 ist spannende Actionunterhaltung mit dem patentierten Look eines Tony-Scott-Films, allerdings erheblich glatter und nichtssagender als sein Vorbild.