Cargo

Kino aus der Schweiz ? Da fällt einem höchstens die Herr-der-Ringe-Verarsche “The Ring Thing” oder die Uralt-Satire “Die Schweizermacher” ein. Der bekannteste Regisseur des Landes, Marc Forster (“James Bond- Ein Quantum Trost” dreht lieber im Ausland,. Trotzdem hat sich ein kleines Häufchen Schweizerischer Filmbegeisterter verschworen, um einen internationalen Blockbuster aus den Bergen zu meisseln. Vorgabe war, alle Produktionsschritte in der Schweiz zu durchlaufen. 5 Millionen Franken standen zur Verfügung. Geplant war ein Sci-Fi-Thriller, der sich mit US-Produktionen messen kann – und auch international zu verkaufen ist. Das Ergebnis, “Cargo” kann sich durchaus sehen lassen. 

 

Eindeutig sichtbar sind die Vorbilder sind Blade Runner und Aliens, mit einer Matrix-Schlusspointe. Andererseits orientiert sich Cargo aber auch deutlich an “europäischen” eher untypischen Space-Dramen wie “Solaris”, “2001”, “Sunshine” oder “Silent Running”. Da gibt es riesige Raumstationen, ein gewaltiges Frachtraumschiff, mit imposanten Innenräumen. Die Tricks stammen natürlich zum größten Teil aus dem Computer – und geschulte Augen erkennen schon noch den Unterschied zu zehnfach teureren Filmen. Die letzte Detailstufe fehlt hier einfach noch. Dennoch wird die selbstgebastelte Welt von ihren Machern lustvoll – und etwas zu ausführlich vorgeführt. Denn die Entwicklung der Story gestaltet sich dadurch doch arg zäh. 

Das Tempo ist durchweg ziemlich gemächlich. Nur das Raumschiff bewegt sich hier mit Lichtgeschwindigkeit. Aber in der Schweiz sollen die Uhren ja generell etwas langsamer ticken.

 

Umso mehr Zeit bleibt für die Figuren und die Story, sollte man denken.

Leider kommen die aber über ein paar allgemeine Charakterzüge nicht hinaus.

Die Hauptdarstellerin bleibt dabei ganz besonders blass und spröde. Man wird schlicht nicht warm mit ihr. Bis zum Schluss entwickelt sie sich nicht zur Heldin à la Ripley, die das Geschehen und ihr Schicksal in die Hand nimmt, sondern bleibt ein kleines Mädchen, das im kalten Weltall ziemlich verloren wirkt und sich doch mächtig freut, dass es sich beim heldenhaften Sicherheitsoffizier anlehnen darf. Maria Boettner liefert hier ihre Debütvorstellung ab. Vielleicht sollte man da Nachsicht üben. Vielleicht sollten die Macher ihr aber auch nicht gleich die Hauptrolle in ihrem gewagten Projekt aufbürden. Das hat nämlich auch so schon genügend Probleme. Denn bei allem was hier technisch aus dem felsigen Boden der Schweiz gestampft wurde, fiel das Drehbuch offenbar in eine Gletscherspalte. Tempo, Timing, Suspense sind eher unterentwickelt. Bekanntester Darsteller ist Claude-Oliver Rudolph , der immerhin schon James Bond das Leben schwer machte, und ausgerechnet der wird hier als Bildschirmfüllmaterial ohne jeden Sinn und Verstand verheizt.

Das Szenario einer Zukunft, in der die Menschen die verwüstete Erde verlassen haben, und zusammengepfercht auf einer gigantischen Raumstation dahinvegetieren hat dabei durchaus seinen Reiz. Allerdings sind die Hinweise auf die Gegenwart, auf Umweltzerstörung, Terrorismus auf übermächtige Konzerne und idealistische Weltverbesserer nicht gerade subtil.

Auch wenn es einiges zu kritisieren gibt, es ist schon beachtlich, was das Schweizer Team hier auf die Beine gestellt hat. Das hat Respekt und Beachtung verdient. Science-Fiction-Fans, die sich über eingefahrene Klischees in Hollywood-Produktionen aufregen, kommen um diesen Film nicht herum.

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