Akte X - Jenseits der Wahrheit
Neun Jahre lang war die Mysteryserie Akte X einer der ganz großen Straßenfeger. Vor sechs Jahren war Schluß - die Macher und die Stars hatten genug davon, paranormale Verbrecher zu jagen und
verzwickte Verschwörungen aufzuklären. Viele Fans hatten die Hoffnung auf ein weiteres Kinoabenteuer von Scully & Mulder aufgegeben. Mit „Jenseits der Wahrheit" kommen die beiden FBI-Agenten
nun doch noch zurück.
Eine FBI-Agentin ist verschwunden - und um sie wiederzufinden baut die Behörde auf zwei eigentlich ausgemusterte Agenten : Fox Mulder (David Duchovny) und Dana Scully (Gillian Anderson). Auf
einmal spielt es keine Rolle mehr , dass eigentlich immer noch gegen Mulder ermittelt wird und er sich jahrelang vor den eigenen Bossen verstecken musste. Alles vergeben und vergessen.
Dabei sollen die beiden erfahrenen Ermittler nicht so sehr bei der Suche helfen, sondern den eigentlichen Spürhund der Behörde durchleuchten. Ein pädophiler Ex-Priester (Billy Conolly) führt die
Suchtrupps zu immer neuen Spuren - mit offenbar übersinnlichen Kräften. Hat der Geistliche tatsächlich Visionen ? Oder ist er ein Scharlatan oder steckt er sogar mit den Entführern der Agentin
unter einer Decke ? Scully traut dem mysteriösen Kinderschänder nicht über den Weg. Aber darf man sich von solchen Gefühlen beherrschen lassen, wenn ein Leben auf dem Spiel steht ? Auch Mulder
findet Crissman nicht gerade sympathisch, aber er hält es für möglich, dass der Ex-Priester irgendwie Informationen empfängt, die andere Menschen nicht wahrnehmen. Tatsächlich stößt das FBI bald
auf mehr Spuren, als ihm lieb ist. Eine Leiche nach der anderen wird aus der verschneiten Prärie gebuddelt.
Mulder und Scully gehören immer noch zu den beliebtesten TV-Teams, auf einer Stufe mit Captain Kirk und Spock.
Und ähnlich wie bei den Star-Trek-Stars läuft es mit der Karriere der Akte-X-Helden abseits ihrer Kultserie eher durchwachsen.
Gillian Andersen hatte zwar in etlichen Filmen und Serien mitgewirkt, aber die wenigsten davon haben es bis zu uns geschafft. Bekanntester Film ist da noch „The last king of scotland" das
oscarprämierte Drama über Idi Amin.
Akte-X-Erfinder Chris Carter hat seit dem Ende der Serie auch keinen nennenswerten Erfolg. Der größte war noch die Mystery-Serie „Millenium" im Windschatten von Akte X. Die Spin-off-Serie „The
lone gunmen" über Scullies und Mulders verschrobene Helfer lebte nicht lange. Da ist es verständlich dass Carter sich nach jahrelangem Streit über die Gewinne der Serie doch noch zu einem neuen
Film bereitfand.
Treibende Kraft dahinter soll übrigens David Duchovny gewesen sein, dabei hat der mit der Serie „Californication" gerade einen Golden Globe gewonnen und in diesem Karrierezwischenhoch die
Rückkehr ins X-Akten-Archiv am wenigsten nötig.
Der englische Filmtitel „I want to believe" verrät die Richtung. Mulders Glaubensbekenntnis, die Frage wo Wissenschaft aufhört und das Übernatürliche anfängt, ist der Kern des Films. Die Macht des Glaubens durch einen perversen Ex-Priester zu verdeutlichen, ist allerdings ziemlich plump. Und der neue Fall des früheren FBI-Spitzenteams wirkt wie eine vergessene Fernsehepisode wirkt. Ständig hat man das Gefühl, dass schon irgendwo gesehen zu haben. Jenseits der Wahrheit wäre eine solide Doppelfolge der Serie, in der sich ja auch großangelegte Alienhatz und skurile Mordfälle abwechselten. Die Ermittlungen ziehen sich allerdings träge dahin und es dauert, bis der Fall wenigstens ansatzweise Spannung erzeugt. Eine FBI-Agentin ist verschwunden - na und ? Auch deswegen ringen Mulder und Scully mehr mit eigenen Dämonen als dem eigentlichen Fall. Das Actionfeuerwerk des ersten Films bleibt diesmal aus, darum ging es bei Akte X auch nie, aber als Kinofilm ist Akte X- Jenseits der Wahrheit trotzdem ein bißchen zu klein geraten. Aber wer weiß - ein guter Akte-X-Film ist vielleicht noch irgendwo da draußen.