Ein bißchen Skepsis machte sich breit vor de Vorführung von "Unsere Ozeane".
Naturdokus werden ins letzter Zeit schon fast inflationär produziert. Das entwickelt sich mehr und mehr zu einer Industrie (!). Dazu kommt das blöde Gefühl hier der grassierenden Untergangsstimmung Tribut zu zollen. Kein Tierfilm kommt in letzter Zeit ohne überdeutliche Hinweise auf die Bedrohung der Natur aus. Nutzen die Filmemacher diesen Trend und unser schlechtes Gewissen aus ? Einige Zuschauer werden wohl wirklich glauben, dass sie durch das Anschauen solcher Filme was für die Umwelt tun.
Genug genörgelt, zum Film: "Unsere Ozeane" schafft es tatsächlich im reichlich beackerten Themenfeld neue Höhepunkte zu setzen. Da gibt es fantastische Bilder zu bestaunen von spielenden Delfinen, dutzenden Vögeln die sich in Kamikazemanier auf Fischschwärme stürzen, jagenden Haien aber auch kuriose und eher unbekannte Tiefseebewohner. Einige Bilder hat man ähnlich schon in den preigekrönten BBC-Dokus gesehen, andere sind dagegen völlig neuartig. Da hat man in einer Szene tatsächlich das Gefühl MIT den Delfinen durch die Wellen zu jagen. Die Filmemacher haben da keinen Aufwand gescheut und neueste Techniken eingesetzt.
Unvermeidlich bei französischen Naturfilmen scheint ein salbungsvoller Kommentar zu sein. Bei "Die Reise der Pinguine" waren es die Frackträger selbst, die ihre "Gedanken" zum Besten gaben. In den USA wurde ihnen prompt der Schnabel verboten und stattdessen Morgan Freemans sonore Stimme gebucht. in "Unsere Ozeane" ist es Großvater, der Regisseur (Und Schauspieler) Jaques Perrin, der seinen Enkel durch ein Museum führt und die bedrohte Natur bejammert. Diese Szenen sind zum Glück selten. Überhaupt sind Kommentare zu den Bildern sehr knapp. Manchmal würde man sich fast ein paar mehr Erklärungen zum Gesehenen wünschen. In der deutschen Fassung übernimmt Schauspieler Matthias Brandt die Erzählerrolle und wird den Schmalzfaktor hoffentlich weiter senken. Die ebenfalls unvermeidlichen Hinweise auf Unweltzerstörung, etwa durch Fischerei und Plastikmüll tauchen rechts spät im Film auf, und wirken wie nachträglich eingefügte Femdkörper zwischen den sonst berauschend schönen Naturbildern.
Lehrreich oder informativ ist "Unsere Ozeane" durch die knappen Kommentare nicht. Enfach zurücklehnen und genießen.