Invictus
1995 - ein Jahr das für Südafrika eine Bedeutung hat wie 1954 für Deutschland - zumindest so stellt es Clint Eastwoods Sport- und Politdrama dar.
Nach dem Ende des Apartheid-Regimes durfte das Land erstmals an der Rugby-WM teilnehmen - und holte als krasser Außenseiter gegen den als unschlagbar geltenden Favoriten den Titel.
Eastwood zeigt das vor allem als Folge der klugen Politik von Nelson Mandela (Morgan Freeman), der das ganze Land hinter der bislang bei Schwarzen verhasstn , weil vornehmlich weißen Nationalmannschaft versammelt und so den Sieg für sich selbst, aber auch für alle Südafrikaner beanspruchen kann.
"Invictus" ist eine aufwendig verfilmte politische Lehrstunde. Dabei folgt der Film allerdings über weite Strecken der standardisierten Dramaturgie von typischen Hollywood-Sportdramen. Darsteller und Ausstattung sind natürlich besser als üblich, aber das Grundgerüst ist bekannt. Da gibt es natürlich anfangs Gegenwehr gegen Mandelas Initative, Vorurteile der weißen Spieler gegen den Präsidenten und einen besonnenen Mannschaftskapitän, der sein Team in eine neue Ära führt. Und allzu oft greift Eastwood in die emotionale Klamottenkiste, zu schwülstiger Musik fliegt die Kamera über postkartenartige Landschaftspanoramen, oder zeigt immer wieder paritätische besetzte Rugby-Jubelparties. Solche Plattheiten leistete der gefeierte Altmeister sich auch schon in "Million Dollar Baby", als eine ostdeutsche Ex-Prostituierte seine Heldin nur mit unfairen Methoden besiegen konnte. So bleibt "Invictus" eine zwiespältige Sache. Es kommt daher wie ein Feel-Good-Sportdrama á la "Das Wunder von Lake Placid". dabei war Mandelas PR-Coup letzlich nur ein Schachzug, um bei den wohlhabenden Weißen Bedenken vor einer schwarzen Kulturrevolution auszuräumen, weil er sie für ein stabiles Land brauchte. In der südafrikanischen Realität ist Rugby heute immer noch vornehmlich ein weißes Vergnügen, die schwarze Mehrheit freut sich mehr auf die Fußball-WM.