Everybody's Fine
Robert De Niro gilt als einer der besten Schauspieler der Welt. Aber in letzter Zeit hat er das selten gezeigt. Seine Rollenauswahl war entweder unglücklich oder planlos. Platte Komödien, in denen er seine alten, harten Rollen auf die Schippe nahm, häuften sich.
Mit “Everybody’s Fine” hat er sich von diesem Schema endlich mal wieder abgewendet.
Frank Goode ist ein pensionierter Witwer, der sich hingebungsvoll seinem schmucken Eigenheim und dem dazugehörigen Garten widmet. Die vier Kinder sind längst erwachsen und weggezogen.
Kontakt hatten sie aber auch davor eher zu ihrer Mutter. Frank war vor allem der Versorger und gelegentlich der Antreiber, falls ihr Ehrgeiz zu wünschen liess.
Als aber ein Kind nach dem anderen das von ihm geplante Familientreffen absagt, ist Frank dennoch getroffen. Und selbst wenn es nur aus Einsamkeit ist.
Frank entschließt sich, seinen Kinder selbst einen Besuch abzustatten.
Frank Goode reist durch ein Land, das er selbst als Mitarbeiter in einem Kabelwerk mit aufgebaut hat. Die Telefonleitungen, die den Kontinent durchziehen, die Menschen verbinden, und an denen sein Zug jetzt entlang fährt sind quasi sein Lebenswerk. Letztendlich hat Frank es erst ermöglicht, dass die Leute sich nicht mehr persönlich treffen müssen.
Ironischerweise nutzen seine Kinder das Telefonnetz, um sich hinter Franks Rücken abzusprechen, wie sie mit dem herumreisenden Alten umgehen sollen. Und außerdem müssen sie ein wichtiges Geheimnis vor ihm zurückhalten. Denn jeder einzelne von ihnen hat den Vater belogen. Am Ende muss Frank sich die Frage stellen, ob er als Vater versagt hat.
Als Frank seine Kinder trifft, sieht er dann immer für einige Augenblicke, wie sie als Kinder waren. In den Augen der Eltern wird man vielleicht wirklich nie erwachsen. Ein kleiner, sehr effektiver Kunstgriff der Regie.
Ein bisschen erinnert der Film an die Tragikomödie “About Schmidt” mit Jack Nicholson. Das Drehbuch basiert jedoch auf einem italienischen Film von 1999, in dem Marcello Mastroiani als alternder Vater seine Kinder besuchte. Der reiste damals allerdings durch italienische Postkartenlandschaften, während De Niro durch anonyme, kühle Industrielandschaften und menschenleere Bahnhöfe irrt, was seine Einsamkeit, die Bedeutung von menschlichen Beziehungen und natürlich besonders den Wert der Familie besonders deutlich macht.
Everybody’s Fine ist ein Roadmovie und ein Familienmelodram, dass seine Geschichte sensibel und unaufgeregt erzählt. Neben Robert De Niro spielen noch Drew Barrymore, Kate Beckinsale und Sam Rockwell mit. Manchmal zuckelt die Geschichte etwas dahin wie eine Regionalbahn. Aber das lässt einem viel Zeit, über das Gesehene nachzudenken.Und weil man dabei Robert De Niro zusieht, macht das auch Spaß. Er spielt hier sehr feinfühlig und zurückgenommen. Auch wenn Frank Goode kein Mann der großen Gefühle ist sondern ein absoluter Jedermann, kann man sich doch leicht in seine Lage versetzen. Und wer am Ende bei dessen Lebensbilanz nicht flennt, der ist aus Stein.