Der Ghostwriter
Der frühere britische Premierminister will seine Memoiren unters Volk bringen.
Dafür einen Ghostwriter zu verpflichten ist allgemein üblich. Als der erste Kandidat jedoch unerwartet das Zeitliche segnet muß Ersatz her. Der neue "Ghost" nimmt für ein fürstliches Honorar die beschwerliche Reise von London an die US-Ostküste auf sich. Geheimhaltung und Sicherheit werden in dem bunkerartigen Feriendomizil groß geschrieben. Denn Adam Lang hat seit seiner Rolle im Irakkrieg viele Feinde. Ausgerechnet während der Arbeiten an seinen Erinnerungen eröffnet der Internationale Strafgerichtshof ein Verfahren gegen ihn - wegen der mutmaßlichen Beteiligung an Folterflügen der CIA. In den USA ist allerdings vor der Auslieferung sicher.
Unverhofft wird "Der Ghost" in persönliche und weltpolitische Intrigen und Affären verwickelt. Und er stößt bei seinen eigenen Recherchen auf ein paar Merkwürdigkeiten im Lebenslauf seines Auftraggebers.
Es ist geradezu unheimlich, wie viele Parallelen zu aktuellen Ereignissen Roman Polanskis neuer Politthriller aufweist. Natürlich ist Tony Blair das Vorbild für Adam Lang. Romanautor Robert Harris rechnet hier unverhüllt mit seinem früheren Freund ab, der just vor Filmstart zwar nicht vor Gericht, aber vor einem britischen Parlamentsausschuß aussagen musste.
Kurz nach den Dreharbeiten wurde dann Roman Polanski in der Schweiz verhaftet, wegen des seit über 30 Jahren anhängigen Vergewaltigungsverfahrens in den USA. Seit Herbst 2009 lebt er unter Hausarrest in seinem Chalet - ähnlich wie Adam Lang in seinem Film.
Polanski nutzt die aktuellen Bezüge für einen gediegenen Politthriller mit geschliffenen Dialogen und ohne platte Polemik. Hitchcock hätte daran seine Freude. Das Usedom und Sylt mit typisch norddeutschem Schmuddelwetter als Drehorte für die US-Luxus-Insel Martha´s Vineyard herhalten funktioniert bestens und dürfte deutschen Zuschauern sogar noch eine extra Anreiz bieten. Kleine Schwächen sind vorhanden, wie etwa der naive Einsatz von Google für wichtige Recherchen. Auch das Ende kommt etwas überstürzt. Das Tempo des Films ist sonst nämlich eher etwas gemächlich, plakative Actioneinlagen sind rar und lassen den Schauspielern Platz zum Glänzen.