Die Story
Es klingt wie ein Märchen. Eine wohlhabende weisse Familie hilft einem ungebildeten Schwarzen an einer privaten Eliteschule zu bestehen, nimmt ihn bei sich zu Hause auf, und adoptiert ihn quasi. Aus dem Ziehsohn wird dann nicht nur ein mustergültiger Schüler, sondern auch ein gefeierter Football-Profi. Die Geschichte , die "Blind Side" erzählt ist allerdings im wesentlichen wahr.
Michael Oher ist heute ein beliebter NFL-Star mit Millionenvertrag. Geboren wurde er in ärmsten Verhältnissen, die Mutter drogensüchtig, der Vater starb bei einer Schießerei. Es folgen Jahre in Heimen, bei diversen Pflegefamilien und ständige Schulwechsel. Die Noten sind entsprechend, aber sein sportliches Talent fällt dem Trainer einer privaten Highschool auf. Auch ein Supertalent muss jedoch ordentliche Noten vorweisen. Für den schweigsamen und derzeit mal wieder obdachlosen Michael ein Riesenproblem.
Zu diesem Zeitpunkt wird Leigh-Anne Tuohy auf den riesigen Jungen aufmerksam,
eine Vorzeige-Ehefrau und -mutter, die selbst zwei Kinder auf der Schule hat. Andere Frauen würden sich wohl sorgen um das Niveau der Schule und die Sicherheit ihrer Kinder machen, Leigh-Anne ist dagegen gerührt von dem sanften Riesen und seinem harten Schicksal. Sie gibt ihm einen Schlafplatz in ihrem luxuriösen Heim und als ihr Mann schüchtern fragt, wieviele Tage das dauern soll, ahnt er schon, dass seine Frau ihr neueste Wohltätigkeitsprojekt nicht so schnell aufgeben wird.
DER KICK
Der Oscar, den Sandra Bullock für ihre Rolle bekommen hat, ist hochverdient. Auf den ersten Blick spielt sie eine klischeeartige Südstaaten-Mom wie aus einem republikanischen Versandhauskatalog, im wie aus dem Ei gepellt, perfekt frisiert und geschminkt. Sie verpasst der Figur aber auch genügend Humor, der die Fassade bröckeln lässt. Und dahinter wird dann auch ein fast ganz normaler
Mensch sichtbar, mit viel Gefühl und auch einigen Zweifeln.
The Blind Side ist ein Wohlfühldrama. Die Hintergründe von Michael Oher leben auf der Straße und im Ghetto wird angerissen, aber nicht ausgewalzt. Die Probleme die sich ihm danach stellen, beim Lernen und als auffälliger Außenseiter an einer weissen Schule lösen sich dann aber schon fast zu leicht in Nichts auf.
Da unterscheidet sich "The Blind Side" vom erheblich härteren und düstereren Drama "Precious", das ebenfalls bei den Oscars ausgezeichnet wurde und zeitgleich startet.
Die Entscheidung ist ganz leicht: "Blind Side" ist ein leicht verdaulicher Film, der bewegt ohne zu kitschig zu werden und den Zuschauer mit einem guten Gefühl entlässt.