Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen
Musik wie in alten Detektivstories, bedrückend mit Trompeten, ein bißchen Cajuneinfluss.
Terence McDonagh ist ein harter, zynischer, aber auch engagierter Cop in New Oraleans. Ausgerechnet eine gute Tat macht ihn zum Junkie: Als Hurrikan Katrina die Stadt überflutet, rettet er einen Gefangenen vor dem Ertrinken. Nach dem selbstlosen Einsatz braucht er Schmerztabletten - und bald noch viel mehr.
Er hat die Wahl : Schmerzen bis zum Lebensende - oder die Empfindungen unterdrücken. Eine Metapher für die Unerträglichkeit des Lebens ?
Aber anfangs noch hat McDonagh alles im Griff. Wer würde nicht mit Blaulicht im Parkverbot parken, um seine Freundin zu besuchen... ? Und perfekt sind seine Kollegen schließlich auch nicht. Der eine (Val Kilmer) neigt zu Gewaltausbrüchen, Korruption ist fast allgegenwärtig. Seine versoffene Familie ist ihm auch kein Halt und seine Freundin, eine Edelprostituierte, teilt seine Drogenvorliebe.
Langsam aber verliert der Gesetzeshüter die Kontrolle - zunächst nur, wenn er keine Drogen hat. Aber allmählich werden seine Ausraster unkontrollierbar. Da entwickelt sich eine Durchsuchung auf offener Straße zur Drogenparty inklusive sexueller Nötigung. Naja, das kann schon mal passieren wenn man Kokain und Heroin verwechselt.
Zusätzlich setzt sein neuer Fall dem abgebrühten Cop zu: Eine ganze Einwandererfamilie wurde massakriert. Die Ermittlungen führen ihn immer tiefer in die Drogenszene von New Orleans.
Ein Cop im Drogenstrudel - diese Geschichte hatte Abel Ferrara bereits 1982 mit einem entfesselten Harvey Keitel in der Titelrolle verfilmt.
Zweifellos ist das Thema interessant genug um Werner Herzogs Neuverfilmung zu rechtfertigen. Vor allem da der deutsche Regisseur sich in seiner Filmogaphie auf Porträts von Charakteren am Rande des Wahnsinns spezialisiert hat. Seine Version des Bad Lieutenant ist trotzdem eine zwiespältige Sache. Ein Kunstkrimi dessen müde Verbrecherhatz zwar vor Zitaten strotzt, aber Spannung vermissen lässt. Eine wichtige Rolle spielt New Orleans mit allen seinen Facetten, alles gedreht an Originalschauplätzen: Voodookult, alte Südstaatenvillen, Alligatoren auf dem Highway und allgegenwärtiger Verfall. Die Bildgestaltung ist sehr natürlich, fast dokumentarisch. Das liefern aber US-Fernsehserien wie The Wire oder The Shield heutzutage auch. Wenn Nicholas Cage breitbeinig durch New Orleans schlurft als ob er die Hosen voll hätte, mit einem gewaltigen Colt im Hosenbund, dann wirkt dass allerdings arg theatralisch. Das er dabei seine patentierte Leidensmiene hat, passt vielleicht zu seiner Lage, nervt aber auf Dauer schon. Man kennte das zu gut aus anderen Filmen. Genauso wie Herzogs schräge Kunstgriffe: Leguane und Alligatoren in minutenlangen Großaufnahmen. Was die Amphibien symobolisieren sollen, bleibt ein Geheimnis des Regisseurs. In Interviews erklärte der Säulenheilige des Autorenkinos die Szenen glatt zu den besten des Films und wurde dafür vom Feuilleton reflexartig bejubelt. Vom kommerziellen Erfolg seiner Familie offenbar schon längst befreit , macht sich der Meister lustig über Publikum, Kritiker und seine Schauspieler.
Und die Moral von der Geschicht´: Drogen sind nicht gut für dich ? Oder etwa : Ohne Drogen funktioniert das System nicht ? In einem absurden märchenhaften Finale lösen sich alle Probleme fast von selbst auf und alle Überlebenden prosten sich mit Mineralwasser zu. Soll das ein zynischer Kommentar auf übliche Hollywood-Regeln sein ? Hier wird Bad Lieutenant überraschend zur Persiflage - um dann Minuten später doch wieder ins Dramatische zu rutschen. Dem anfangs geretteten Knacki gehts am Ende richtig gut, während der heldenhafte Cop dem Drogensumpf nicht entkommt. Was will Herzog sagen ? Das Leben ist ein Witz ? Keine gute Tat bleibt unbestraft ? Wahrscheinlich weiss Herzog dass selbst nicht so genau.