Avatar – Aufbruch nach Pandora

Schon lange ist kein Film mehr mit einem derartigen Hype gestartet.

Kein Wunder, denn der Regisseur James Cameron hat mit Terminator 1 & 2, und Titanic schon mehrere Klassiker zur Kinogeschichte beigesteuert. Um dann für 12 Jahre in der Versenkung zu verschwinden.

In seiner Abwesenheit hat sich Jerry Bruckheimer als Oberguru des Effektkinos etabliert. Aber nun sieht man deutlicher was für ein Holzhacker JB neben JC ist, der mit seinem Comeback nichts weniger als eine Revolution auslösen wollte. Die Neugier war also auch ohne die Werbemaschinerie schon groß. Und die geschätzten 300 Millionen Dollar Budget wollen schließlich auch wieder eingespielt werden.  Es geht hier also um weit mehr als nur einen Film. Eine heftige Hypothek. Die meisten Zuschauer wird allerdings die filmhistorische Komponente herzlich wenig interessieren. Die wollen ein abendfüllendes Spektakel das, wenn möglich, die Intelligenz nicht allzu sehr beleidigt. Und das kriegen sie.

 

Avatar ist eine von Cameron selbst entwickelte Science-Fiction-Story. Es gibt also erfreulicherweise mal keine Comic-, Roman- oder Spielzeugvorlage, deren Fans meckern können.

Angesiedelt ist das Action-Abenteuer auf dem bewaldeten Planeten Pandora, den ein irdischer Konzern wegen seiner ungemein wertvollen Bodenschätze ausbeuten will. Da werden Erinnerungen an die Alienfilme wach, in denen ebenfalls übermächtige Firmen mit privaten Armeen die Galaxis unsicher machten. Dazu passt auch das Comeback des guten alten Weightlifters mit dem schon Ripley in “Aliens” zum Finale antrat, hier in Form schwerbewaffneter Exo-Suits, mit dem die Space-Marines ihre körperliche Unterlegenheit gegenüber den Na´vi ausgleichen wollen.

Wie man diese Söldnerwelt inszeniert, das weiß Cameron immer noch, auch wenn Avatar nicht so düster und schmuddelig geraten ist. Die technik-dominierte Welt wird stattdessen eher klinisch sauber und kalt dargestellt. Umso größer ist der Kontrast zur grünen, organischen, ursprünglichen Welt der Na´vi, der Ureinwohner von Pandora, die als einer der wenigen Minuspunkte, manchmal ein bißchen zu bunt, esoterisch und idyllisch geraten ist.

 

Dabei ist Avatar keinesfalls technikfeindlich (wäre ja auch paradox angesichts der aufgefahrenen CGI-Effekte) denn die Technologie der Avatare ermöglicht schließlich erst das Eintauchen in die Welt der Na´vi.

Dabei werden genmanipulierte Ersatzkörper von den Menschen per Gehirnwellen ferngesteuert, um überhaupt die giftige Atmosphäre überleben zu können, und neben den 3 Meter großen Ureinwohnern und noch viel gefährlicheren Waldbewohnern zu bestehen.

Diese Technik der Gedankenkontrolle wird derzeit übrigens tatsächlich entwickelt. Und die Steuermodule der Avatare - gelgefüllte High-Tech-Kokons - wurden auch schon Tad Williams Otherland-Romanen verwendet. Dort allerdings um in virtuelle Welten einzutauchen.

Gleichzeitig stellt diese Technik natürlich auch ein auf die Spitze getriebenes Kinoerlebnis dar. Man ist nicht wirklich vor Ort, aber man sieht, fühlt, riecht und schmeckt. Wenn James Cameron lange genug lebt, wird er auch das wahrscheinlich noch entwickeln. Bislang ist er noch an die bestehende Technik gebunden. Die aber reizt er komplett aus, treibt sie zu neuen Höhen und kombiniert sie virtuos, was CGI- und 3D-Technik betrifft.

Wenn Herr Der Ringe mit dem Motion-Capture-Star “Gollum” einen Meilenstein setzte, so zeigt Avatar (sinnigerweise mit Hilfe der HdR-Trickschmiede WETA) praktisch hunderte Gollums. Der Begriff “Photorealismus” wird da gerne benutzt. Der gilt aber natürlich nur solange bis es jemand noch "realistischer" hinbekommt. Solange aber gibt es in Avatar die bislang komplexesten digitalen Figuren zu bestaunen, deren Mimik und Gestik man gerne glaubt. Nur in wenigen Szenen gibt es mal eine etwas ungelenke Bewegung. Die virtuellen Figuren in Avatar tragen trotzdem mühelos den Film, echte Menschen sind über weite Strecken gar nicht zu sehen. Das, was Robert Zemeckis in “Beowulf” oder “Eine Weihnachtsgeschichte” abliefert ist dagegen schlicht hölzern. 

 

Man kann Avatar sicher auch in 2-D sehen. Auch dann bekommt ein großes Filmabenteuer der Luxusklasse mit viel Action. Aber erst in 3-D entfaltet er sein Potential.

So taucht man förmlich in die bedrohlichen , gleichzeitig traumhaft schönen Wälder von Pandora ein, was das Gefühl von Gefahr und Wunder ungemein steigert.

Oft sorgt die 3D-Technik dabei nur für eine gesteigerte Tiefenwirkung,

plaktive Effekte , die einem ins Gesicht springen, halten sich erfreulich im Rahmen. Und wenn es sie doch gibt, dann stehen sie meist im Dienst der Geschichte, etwa wenn der Held Jake Sully (Sam Worrthington) nach der Ankunft auf Pandora zu Beginn aus seiner Kältekammer krabbelt um schwerelos in einer gigantischen Lagerhalle zu landen, ameisengleich, winzig, unbedeutend und desorientiert. Oder wenn etwa Parker Selfridge (Giovanni Ribisi) einen Golfball in einen Kaffeebecher schlagen will und Grace (Sigourney Weaver) ihm den Putt vermasselt – ebenso wie später im Film seine finsteren Pläne.

 

Avatar ist dem Konzept nach ein Space-Western, mit klaren Grenzen zwischen Gut und Böse, und einer manchmal zu dominanten Ökobotschaft. Die im Grunde simple Story werden viele dem Film vorwerfen und von schlichtem Überwältigungskino sprechen. Ja sicher, das ist Avatar. Und das will er auch sein. Ein intensives Erlebnis, ein echter Trip, so ungewöhnlich, wie es derzeit möglich ist. Dabei wird das Spektakel in keiner seiner 161 Minuten langweilig. Man darf staunen und zittern, lachen und weinen, sich schlicht in eine fremde Welt entführen lassen. Wer das nicht will, der ist im falschen Film. Eine Revolution ist der Film zwar nicht - eher eine Evolution des bisher schon Dagewesenen, aber um im Bild zu bleiben: Avatar ist derzeit die Krone der Kino-Schöpfung. Ein Meilenstein, ein Meisterwerk, das man gesehen haben muss.

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