Alice im Wunderland
DIE STORY
Seltsame Träume wecken die kleine Alice immer wieder auf, Träume von einem merkwürdigen Land mit sprechenden Tieren, einem Kaninchen im Anzug, einer grinsenden Katze und anderen fantastischen Kreaturen. Ihr Vater findet in ihrer Fantasie nicht Bedenkliches, er ist selbst auf seine Art ein Visionär.
Jahre später ist die inzwischen jugendliche Alice jedoch eine Waise und muss sich alleine entscheiden, was sie aus ihrem Leben machen will. Dabei hat ihre Verwandtschaft schon konkrete Pläne: eine standesgemäße Hochzeit. Bevor sie jedoch einem bornierten Langweiler das Ja-Wort gibt, bittet Alice um eine Auszeit. Das merkwürdige, fein angezogene Kaninchen, dass sie gesehen hat interessiert sie derzeit einfach mehr. Bei der Verfolgung des ulkigen Nagers stürzt sie jedoch in ein tiefes Loch und landet in einem höchst merkwürdigen Land....
DIE STARS
Die surreale Welt des Kinderbuchautors Lewis Carroll ist wie gemacht für die überbordende Fantasie von Regisseur Tim Burton. Und nach dem blutigen Grusical "Sweeney Todd" konnte er wohl auch etwas Leichteres vertragen.
Was er seiner Frau Helena Bonham-Carter hier antut ist allerdings (auf amüsante Weise) grenzwertig. Mit meisterhafter Tricktechnik wird sie hier in die groteske rote Königin verwandelt - und füllt die Rolle mit viel Lust aus.
Auch Johnny Depp ist ein Dauergast in Burtons Filmen, quasi dessen Alter Ego. Als verrückter Hutmacher ist er perfekt besetzt - aber es stellt sich auch eine gewisse Ermüdung ein, denn vieles von seiner schrägen Performance hat man schon in anderen Rollen von ihm gesehen. Die Australierin Mia Wasikowska als Alice schlägt sich als ruhender Pol in dieser filmischen Wundertüte bravourös, wird aber in dem atemlosen Geschehen auch nicht wirklich gefordert.
DER KICK
Eine buchstabengetreue Umsetzung des Kinderbuchklassikers hat sicher niemand erwartet. Aber die Freiheiten, die Tim Burton sich hier erlaubt sind schon erheblich. Alice ist kein Kind , sondern ein Teenager und ihre Reise ist auch nicht der erste Ausflug ins Wunderland. Im Prinzip ist das hier also "Alice 2", mit entsprechenden Änderungen für den Handlungsverlauf. Burton hat dabei auch Material aus Lewis Carolls anderen Werken verwertet, wie den Jabberwocky. Der rote Faden der Geschichte, der Alice zur schwertschwingenden Jeanne D´Arc des Wunderlands macht ist allerdings schon überraschend. War das actiongeladene Finale vielleicht eine Bedingung des finanzierenden Disney-Konzerns ?
Optisch kann man dem Film dagegen wenig vorwerfen. Die skurile Bevölkerung des Wunderlands ist zauberhaft, detailreich, skuril - eben typisch Burton. Der 3-D-Effekt trägt ein wenig zur surrealen Atmosphäre dabei. Es gibt aber auch Sequenzen , die fast völlig ohne das neue Gimmick auskommen. Und wenn man dann das Auge in den neuen Tiefen des Raums schweifen lässt, fällt leider auf, wie sehr die Kulissen nach genau dem aussehen was sie sind: Kulissen. 2-D hätte es auch getan - und den Focus mehr auf die wirklich gelungenen Charaktere gelenkt.