DIE STORY
Im vierten Jahrhundert breitet sich das Christentum im Römischen Reich immer mehr aus. Aber noch haben auch die alten Religionen viele Anhänger. Die Philosophin, Wissenschaftlerin und Lehrerin Hypatia von Alexandria (Rachel Weisz) hält sich aus den religiösen Streitereien heraus. Ihr Interesse gilt allein der Forschung, dem Wissen und den Grundsätzen der alten griechischen Gelehrten. Aber auch an ihren Schülern gehen die Umwälzungen und der religiöse Fanatismus nicht spurlos vorbei. Kann man in so einer Zeit neutral bleiben ? Oder muss man sich notgedrungen auf eine Seite schlagen ?
Aber nicht nur als Wissenschaftlerin, auch als Frau gerät Hypatia unter Druck. Nicht alle Männer akzeptieren ihre einflussreiche Rolle in der Stadt. Ihr Vater ist dabei nicht der einzige, der eine Hochzeit vorschlägt. Das würde das Gerede beenden, aber auch das Karriere-Aus für die herausragende Gelehrte bedeuten.
DER KICK
Wem die meisten Sandalen-Epen zu actionlastig sind, dem wir hier eine Alternative geboten. "Agora" befasst sich sehr ernsthaft mit der Welt der Antike. Auch hier wird gekämpft, aber nicht um des Säbelrasselns willen. Gestylte Gladiator-Einlagen sucht man vergeblich. Kulissen und Kostüme sind trotzdem enorm aufwendig so dass man tatsächlich meint, einen Blick auf das Leben im alten Alexandria zu werfen, einem zumindest anfangs weltoffenen Schmelztiegel der Kulturen.
Zwischendurch gönnt sich Regisseur Alejandro Amenaber ein paar Kunstgriffe, in denen er die Stadt aus dem Weltall zeigt, mit dem Stimmengewirr der Menschen als Hintergrundgeräusch. Diese "Google-Earth"-Perspektive ist überraschend, zeigt aber doch auf originelle Art, wie klein die Menschen und ihre Streitigkeiten sind im Vergleich zum Weltall, dessen Erforschung eins der Ziele von Hypatia war.
Diese Gelehrte gab es tatsächlich und auch viele der im Film aufgegriffenen Probleme sind überliefert, wie ihr politischer Einfluß, die Intrigen ihrer Neider und der Kampf von Heiden und Christen um die Macht.
In Spanien war "Agora" ein Riesenerfolg. Mitunter fehlt dem Film ein wenig Tempo und ein bißchen Emotion. Aber vielleicht sind das auch nur die eingeschliffenen Sehgewohnheiten, die sich hier melden. Wie sehr sich aktuelle Probleme in diesem 1600 Jahre alten Stoff wiederspiegeln, dass macht wirklich betroffen und nachdenklich. "Agora - Die Säulen des Himmels" ist eine echte Ausnahmeerscheinung, ein intelligentes, komplexes, aufwändiges Historien-Epos und ein bewegendes Statement zu religiösem Extremismus und Intoleranz. Wer sich mehr Aufmerksamkeit und mehr Geld für anspruchsvolles Kino wünscht, der kommt daran nicht vorbei.